Nelio - AD Theater-AG

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Vergangene Spielzeiten > Spielzeit 2005 / 2006
„Nelio: Die Geschichte eines kurzen Lebens irgendwo in Afrika“

Eine Art Erzähltheater nach Ideen und Motiven des Romans 
„Der Chronist der Winde“ von Henning Mankell

„Wenn ich Präsident wäre, was würde ich tun?“ – „Dich satt essen.“

Nelio ist noch ein Kind, als er fliehen muss. Sein Dorf wird von Banditen geplündert, seine Familie zerschlagen. Nelio muss einen Menschen töten, um zu überleben. Danach ist er auf der Flucht, er flieht vor den Banditen und vor seinem Schicksal, das ihn in die große Stadt bringen wird. Dort schließt er sich einer Gruppe von Straßenkindern an und lernt zu überleben. Bis eines Tages das Unglück ihn einholt und er angeschossen wird. Auf dem Dach einer Bäckerei, die eigentlich ein altes Theater ist, liegt er neun Tage und Nächte und erzählt von seinem Schicksal. Nach neun Tagen, in denen Nelio buchstäblich um sein Leben erzählt, stirbt er.
 
Die Theater AG 9-12 haben Henning Mankells Roman „Der Chronist der Winde“ für die Bühne bearbeitet und eingerichtet. In einer Art Erzähltheater lesen, berichten und spielen die siebzehn Schülerinnen und Schüler aus Nelios Leben. Dabei schlüpfen sie in unterschiedliche Rollen, springen von Ort zu Ort und von Zeit zu Zeit, erhalten so die Struktur der Romanvorlage, ohne dabei die Biographie Nelios aus den Augen zu verlieren. „Nelio“ berichtet aber auch über das Leben in Afrika, von den Kolonialherren, den Revolutionären, den Kriegsgewinnern und –verlierern und Entwicklungshelfern, von mythischen Figuren, Wunderheilerinnen und, nicht zuletzt, von einer Theatergruppe unter der Leitung der bemerkenswerten Dona Esmeralda.
 
Die Theater AG 9-12 freut sich, mit diesem Stück an der Hagener Aktionswoche „Das Recht auf Nahrung“ beteiligt zu sein. Bereits im dritten Jahr besteht damit eine Kooperation mit einer ganzen Reihe Hagener Institutionen unter der Federführung des AllerWeltHauses Hagen.

Dinoka, eine Verkäuferin in der Bäckerei
Lucia B.
Dona Esmeralda, die Tochter des ehemaligen Gouverneurs
Charlotte B.
Anführer der Banditen; Cosmos, Anführer der Straßenjungen
Wolfgang B.
Deolinda, ein „weißes“ Straßenkind
Svenja B.
Mandioca, ein Straßenjunge
Phillip B.
Beamter; Halakawuma, eine Echse
Vanessa F.
Cashilda, eine Putzfrau im Theater
Jennifer G.
Albano, ein Koch
Niklas H.
Marcelino, Alfredo Bomba, ein einarmiges Straßenkind (Fr)
Stefanie H.
Frau Muwulene, eine fetichera
Annika M.
Maria, eine Teigmischerin 
Mareike M.
Chronist der Winde
Philipp P.
Fernando, ein Bäcker; Don Joaquim, der Gouverneur
Justus R.
Dona Celestina, die Frau des Gouverneurs
Christin R.
Beamter
Annika S.
Kindersoldat; Nascimento, ein Straßenjunge
Sebastian S.
Yabu Bata, ein kleiner Albino; Pecado, ein Straßenjunge
Patrick W.
Marcelino, Alfredo Bomba, ein einarmiges Straßenkind (Do)
Theresa W.
Nelio, José Antonio Maria Vaz und alle weiteren Rollen werden von unterschiedlichen Darstellern gespielt.

                    Backstage
Leitung
Thomas Mehl
Mitarbeit
Andrea Köhler
Eine Produktion der
Theater AG 9-12

Henning Mankell

Henning Mankell, geboren 1948 in Härjedalen, ist einer der angesehensten und meistgelesenen Schriftsteller in Schweden. Seit Ende der sechziger Jahre ist er als Autor, Theaterregisseur und Intendant tätig. Allein in Deutschland erreicht die Gesamtauflage seiner Bücher mittlerweile 11 Millionen. Seine Bücher wur­den bisher in über 20 Sprachen übersetzt. Für sein umfangreiches Werk erhielt Mankell zahlreiche Preise, u.a. von der Schwedischen Akademie für Kriminal­literatur, den Deutschen Jugendbuchpreis (1993), den Astrid-Lindgren-Preis (1996), die Corinne 2001 und 2002 sowie den Deutschen Bücherpreis (2003).
„Der Chronist der Winde“, 1995 auf Schwedisch veröffentlicht, erschien 2000 auch in deutscher Sprache.
 
Henning Mankell lebt in Maputo, Mosambique, wo er das Teatro Avenida leitet.

 

Eine Art Erzähltheater

Spielregeln für ein „armes Theater“

Wie können wir mit den Mitteln unserer Theaterarbeit eine Geschichte spielen, die eigentlich nicht in Europa, sondern in Afrika daheim ist? Wie können wir Menschen darstellen, die zum großen Teil eine andere Hautfarbe besitzen als wir selbst, ohne uns – und sie – lächerlich zu machen? Wie können wir zwischen den unterschiedlichsten Orten und Zeitebenen hin- und herspringen, einen Toten erzählen lassen, Echsen und Hexen, Albinos und Zwerge zum Leben erwecken?
 
Ganz einfach: Mit der Phantasie. Mit unserer Phantasie und der Phantasie der Zuschauer, die wir an die Hand nehmen und über das Lesen, Erzählen und Spielen mitnehmen wollen auf eine Reise nach Afrika.
 
José Antonio Maria Vaz, der Chronist der Winde, erzählt die Geschichte Nelios, so wollen auch wir dessen Geschichte erzählen. Wir wechseln dabei von Figur zu Figur, eine ganze Reihe von uns werden im Laufe der Aufführung in die Rolle des Erzählers aber auch des Titelhelden schlüpfen.
 
Das Bühnenbild, die Kostüme und die Requisiten sind alle bewusst einfach gehalten. Wie im elisabethanischen Theater bildet das Wort die Kulisse, sind die Kleidungsstücke der Darsteller nur Ausgangspunkt für ein Theatererlebnis, wel­ches sich in der Vorstellung des Zuschauers zu einem jeweils eigenen Ganzen zusammenfügt. Aus Stimmen und Bildern, so einfach sie auch präsentiert wer­den, entwickelt sich eine Geschichte – die Geschichte von Nelio.
 
Doch verzeiht, ihr edlen Herren,/ Dem schwunglos seichten Geiste, der’s gewagt,/ 
Auf dies unwürdige Gerüst zu bringen/ Solch’ großes Thema./ 
[...] Lasst uns [...]/ auf eure Vorstellkraft nun wirken./[...] 
Er­gänzt mit euren Ge­danken unsre Fehler, unser Fehlen./ 
Zerlegt in tausend Teile einen Mann/ und lasst im Geiste die Armee marschie­ren./ 
Denkt, wenn wir Pferde nennen, dass sie sichtbar, / ihre stolzen Hufe hörbar für euch in eurem Geiste sind. 
Denn eure Vorstellung und euer Denken kleiden Könige,/ Bringt hin und her sie, überspringt die Zeit,/ 
Verkürzet das Ereignis manches Jahrs/ Zum Stundenglas. Dass ich dies verrichte,/ 
Nehmt mich zum Chorus an für die Geschichte,/ der als Prolog euch bittet um Geduld;/ 
Hört denn und richtet unser Stück mit Huld!                              
                                                                                                                                                                                                           William Shakespeare, Henry V

 
 
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